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ratten Verhalten
Ratte
Ratte:  Verhalten und Probleme.
Ratte: Verhalten und Probleme. Ethologen geben Auskunft.Allgemeines

Die grosse Gruppe der Nagetiere umfasst die Mäuse-verwandten, die Hörnchenverwandten und die Meerschweinchen- und Stachelschweinverwandten. Die Ratte vertritt in der Gruppe der Mäuseverwandten im Prinzip nur eine besonders grosse Maus-Art. Ihr langer Schwanz, der ihr beim Klettern besseren Halt gibt und der gelenkige  Körper mit keilförmigem Kopf sind äusserliche Merkmale.

Die Ratte hat bis zum heutigen Tag viele Gegner, weil sie im Mittelalter zur Verbreitung der Pest beitrug und allgemein als "widerliches Kanalisationstier" eingestuft wurde. Ratten können etwa gleichermassen gut schwimmen, klettern, graben und laufen. Mit ihren Tasthaaren können sie sich auch im Dunkeln gut orientieren. Hervorzuheben ist ihre beinahe endlose Anpassungsfähigkeit an schnell ändernde Umweltbedingungen, was für einen hohen Grad an "Intelligenz" spricht.
 
 
Sozialverhalten
Ratten leben gesellig in Rudeln, die häufig aus Grossfamilien entstanden sind. Die Rudeltiere sind dadurch meistens eng verwandt und können auf ein einzelnes Paar zurückgeführt werden. Deshalb sollte man Ratten nie einzeln halten. Sie brauchen die Möglichkeit zum ständigen Sozialkontakt. Im Rudel herrscht eine klare Rangordnung. Der "Oberbock" weist jüngere Männchen in die Schranken. Ein Rudel bewohnt und verteidigt ein bestimmtes Revier, was auch für Käfigverhältnisse zutrifft. Wehe, wenn hier eine fremde Ratte einfach eindringt oder durch den Tierhalter beigegeben wird! Die Mitglieder eines Rudels kennen sich individuell und helfen sich gegenseitig innerhalb der etablierten Rangordnung. Die Fortpflanzung findet das ganze Jahr über statt.

 
Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen treten in der Regel bei Tieren auf, deren Gehege oder Käfige den arteigenen Bedürfnissen nicht genügen. So kann etwa das endlose Gitternagen bei Ratten beobachtet werden, deren Gehege nicht genügend Anreize für rattengerechtes Verhalten bietet oder denen verträgliche Artgenossen fehlen, die unabdingbar sind für ein abwechslungsreiches, erfülltes Dasein. Die Zucht hin zu schönen, attraktiven oder gar zu Tieren mit ausgefallenen Fellfärbungen kann im Nebeneffekt auch zu erhöhter Aggressivität führen, welche sich dann in einer ständigen Bereitschaft zum Beissen zeigt. Nicht eigentlich als Verhaltensstörung, jedoch auch als Folge der einseitigen Zucht, ist die erhöhte Anfälligkeit auf Tumorerkrankungen zu sehen.

 
Mensch-Tier-Verständigung
Die Schulter des menschlichen Gefährten ist eine Art klassischer Platz für zahme Ratten. Wenn sie dorthin klettern, ist Vertrautheit vorhanden und für die Verständigung eine gute Grundlage gelegt. Je mehr man das Leben der Ratten beobachtet und aus Körperhaltungen und Lautäusserungen auf ihre Stimmung schliessen kann, desto sicherer wird die Verständigung. Naturgemäss ist das Füttern mit der Hand und das Kraulen die einfachste Methode des Kontaktes. Signale wie Pfiff und Fingerklopfen können Beginn einer Dressur sein, an deren Ende immer die Futter-Belohnung steht.

Tiere "reden" mit ihren Artgenossen durch Körperhaltung, Schwanzstellung, Mimik, Lautäusserungen und vielem mehr. Ist der Mensch Kumpan und Artgenossenersatz, dann muss er versuchen, das grosse Defizit ein bisschen wettzumachen. Dies tut er am besten, indem er ruhig mit seinen Schützlingen spricht. Tiere sind ausserordentlich lernfähig und kapieren sehr schnell, was Worte oder Tonlagen bedeuten.

 
Unerwünschtes Verhalten
Ratten sind eindrückliche Nager. Sie können im freien, unbeaufsichtigten Auslauf so ziemlich alles zerstören, was ihnen zwischen die scharfen Zähne kommt. Neben Tapeten, Möbeln, Teppichen sind auch Aluminium, Kupfer und Eisen kaum ein Problem. Unerwünscht im Heimtierbereich sind natürlich bissige Tiere. Vorsicht auch bei besonders pfiffigen Vertretern, die es verstehen, in Kürze die Käfigtüre zu öffnen.

 
Launenbarometer
Da der Mensch weder die Duft- noch die Lautsprache der Ratten versteht, ist die Deutung des Stimmungszustandes dieser Tiere recht schwierig. Zwar können Körperhaltungen oder einzelne Verhaltensweisen einen Hinweis auf das Befinden geben, hingegen ist aus der Mimik, die etwa bei Hunden oder Pferden derart ausgeprägt ist, kaum etwas zu erkennen.

 
Tierpsychologie
Die intelligente und anpassungsfähige Ratte hat sich über Jahrtausende gegen alle Vernichtungsfeldzüge des Menschen erfolgreich zur Wehr gesetzt. Gäbe es sie nicht, wären die Abwasserrohre der grossen Städte ständig verstopft. Die Rattenpopulation von Paris verschlingt täglich 800 Tonnen Abfälle und ist damit nicht nur Schädling, sondern auch wichtiger Öko-Helfer. Das verfemte und geheiligte Phänomen "Ratte" ist ein psychologisches Allerweltstier und Gegenstand von Museen und Ausstellungen. Die im Heimbereich gehaltene Farbratte kann sich zum zutraulichen und liebenswerten Partner des Menschen entwickeln, wenn man die Tiere richtig behandelt. Ein Eingehen auf ihre natürlichen Verhaltensbedürfnisse ist schon ein wenig Tierpsychologie.
 
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