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schildkroeten Verhalten
Schildkröte
Schildkröte:  Verhalten und Probleme.
Schildkröte: Verhalten und Probleme. Ethologen geben Auskunft.Allgemeines

Die Schildkröte ist ein Reptil wie z.B. die Schlange. Reptilien sind wechselwarm. Um die richtige Körpertemperatur zu erreichen, müssen sie sich an der Sonne oder im warmen Wasser aufwärmen. Erst dann können ihre Körperfunktionen vollständig ablaufen.
 

Schildkröten sind Wildtiere. Sie legen Eier wie Vögel und tragen einen Panzer zum Schutz gegen die meisten Feinde. Landschildkröten sind Pflanzenfresser, Wasserschildkröten können Pflanzen- und/oder Fleischfresser sein.

Wir unterscheiden zwischen Halsbergern und Halswendern. Halsberger ziehen den Kopf ein, Halswender klappen den Kopf seitlich ein. Die kleinsten Schildkröten sind ungefähr handtellergross und wiegen 120 g, die grössten werden 1,2 m lang und wiegen 280 kg. Sie können bis 100 Jahre alt werden.

Keine Schildkröten halten! Eine Anlage zur Haltung von Landschildkröten wird nie ein biologisch intaktes Ökosystem sein können. Sie ist künstlich geschaffen für Tiere, die bei uns nicht heimisch sind. Die Tiere brauchen überdies Sonne, insbesondere Morgensonne, um sich aufwärmen zu können. Und sie werden bei guter Pflege 100 Jahre alt. Wer kann so etwas verantworten? Niemand!
 

 
Sozialverhalten
Schildkröten sind Einzelgänger. Von einem geselligen Familienleben halten sie gar nichts. Diese geradezu asoziale Grundhaltung beginnt schon bei der Fortpflanzung. Das Weibchen legt seine Eier in die Eigrube und macht weder Brutpflege (die Sonne soll brüten) noch kümmert es sich später um die frischgeschlüpften Jungen. Diese müssen sich selbst durchkämpfen! Was bleibt? Paarung.

 
Verhaltensstörungen
Bei guten Haltungsbedingungen stellen sich bei den robusten Tieren kaum Verhaltensstörungen ein. Es sind meist Störfaktoren im Spiel, die der Tierhalter selbst beheben kann. Beispiele: Mangelnde Eiablageplätze führen zur Legenot der Weibchen. Der Boden ist z.B. zu wenig tief und zu hart. Auch aufsässige Männchen, welche die Weibchen unablässig bedrängen, sind vor der Eiablage ein Störfaktor. Man muss die Tiere in dieser Phase trennen. Rivalenkämpfe zwischen Männchen, welche zu Bissverletzungen führen können, sind ebenfalls durch eine Geschlechtertrennung zu vermeiden (auch auf Sicht!). Falsche Fütterung, kein warmer und trockener Platz bei Kälteeinbruch, kein ausbruchsicheres Gehege, all dies verursacht Not.

 
Mensch-Tier-Verständigung
Schildkröten sind neugierige Tiere. Sie kennen ihre Umgebung gut und lieben es nicht, wenn etwas verändert wird. Eine Schildkröte spielt nicht wie eine Katze oder ein Hund. Sie ist eine Einzelgängerin, die ihre Ruhe haben möchte. Man kann mit ihr ruhig reden und ihr etwas Grünfutter reichen. Sie lässt sich weder dressieren noch sonstwie in ihrer Art verändern, weil sie ein echtes Wildtier ist. Das Thema Mensch-Tier-Verständigung beschränkt sich demzufolge auf ein äusserst bescheidenes Repertoir von wenigen Interaktionen.

Tiere "reden" mit ihren Artgenossen durch Körperhaltung, Schwanzstellung, Mimik, Lautäusserungen und vielem mehr. Ist der Mensch Kumpan und Artgenossenersatz, dann muss er versuchen, das grosse Defizit ein bisschen wettzumachen. Dies tut er am besten, indem er ruhig mit seinen Schützlingen spricht, wie er eben auch mit einem anderen Menschen reden würde. Tiere sind ausserordentlich lernfähig und kapieren sehr schnell, welches Wort oder welche Tonlage was bedeutet.

 
Unerwünschtes Verhalten
Aus menschlicher Sicht "unerwünscht" ist das Weglaufen aus dem Freilandgehege, die wohl häufigste Schildkröten-Unart. Besonders in den Ecken der Einzäunungen erproben die Tiere die Grenzen ihrer Kletterkunst immer wieder aufs Neue, weil vielleicht verlockender Löwenzahn jenseits der Abschrankung zum Frasse ladet. Einzäunungen sollten mindestens 40 cm hoch sein. Halbrohre, Betonplatten, Holzpalisaden sind besser als abgekröpfter Maschendraht. Das Gehege sollte nicht nur in die Höhe gesichert werden, sondern auch in die Tiefe. Denn Schildkröten können auch sehr gut graben.

 
Launenbarometer
Archaische Wildtiere wie die Schildkröte, von der es über 200 Arten gibt, sind noch wenig auf gute und schlechte Laune analysiert worden. Trotzdem weiss jeder Tierhalter, der vielleicht schon Jahrzehnte mit seinem Schützling verbracht hat, welche Signale er wie zu werten hat. So gibt es beispielsweise Arten wie die Grosskopfschildkröten, die schnell gereizt sind, wütend mit weit geöffnetem Maul nach dem Gegner stossen und dazu unaufhörlich mit der weissen Nickhaut ihrer Augen blinken. Die Pennsylvanische Klappschildkröte ist sehr bissig und damit unbeliebt. Im Bild eine Wasserschildkröte, die sich soeben anschickt, in den Finger des Betreuers zu beissen, wohl deshalb, weil Wasserschildkröten eben auch Fleisch und Tiere fressen.

 
Tierpsychologie
Was denkt es wohl, dieses gepanzerte Reptil mit den etwas unheimlichen Augen? Je mehr wir über Schildkröten oder wenigstens über die von uns gehaltene Schildkrötenart wissen, desto eher haben wir Chancen, ein bisschen in die Psychologie dieser Wesen Einblick zu nehmen. Das Unwissen im Schildkrötenbereich ist beängstigend hoch, zumal immer exotischere Arten im Handel auftauchen, von denen niemand genaues weiss. Deshalb ist auch das Tierleid durch falsche Haltung höher als anderswo.
 
 
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